Gutachten BitTorrent IP-Logger V2.0

In einem Filesharing-Verfahren wurde durch den Klägervertreter (Kanzlei CSR) u.a.  ein Gutachten vorgelegt, das eine korrekte Datenermittlung durch die RE-Source-GmbH, ehemals iObserve, bestätigte. Da der Beitrag zu dem Verfahren (Filesharing-Verfahren: Klagerücknahme durch Kanzlei CSR) ziemlich umfangreich ist, habe ich mich entschieden, zum Gutachten-Thema einen gesonderten Beitrag zu verfassen.

Das Gutachten, das die Zuverlässigkeit der Datenermittlung mittels der Software BitTorrent IP-Logger V2.0 bestätigte, wies einige Auffälligkeiten auf:

Die Build-Version der begutachteten Software wurde nicht angegeben – das gehört jedoch zu den von einem Gutachter zu erwartenden Mindestvoraussetzungen.

Auf den für die Begutachtung verwendeten Rechnern befanden sich neben dem Filesharing-Programm (Bittorrent bzw. Vuze) keine weiteren Softwareprodukte „um das Ergebnis nicht zu verfälschen“. Eine solche „Verfälschung“ ist aber regelmäßig auf den Computern eines Users gegeben, der auf jeden Fall neben einer Windows-, Linux- oder OS X-Version außer – wenn überhaupt – Bittorrent oder Vuze weitere Software auf seinem Computer installiert hat. Dazu gehört u.a. mindestens die bereits vom Hersteller vorinstallierte Software und insbesondere mit Sicherheit ein Antiviren-Programm. Weitere Software-Installationen (Textverarbeitungsprogramme, Player, Browser u.a.) sind die Regel.

Der Begutachtung lag eine Textdatei zugrunde, der streitgegenständliche Sachverhalt bezog sich auf einen Film. Während eine Textdatei normalerweise auch geöffnet werden kann, wenn sie nicht vollständig herunter geladen wurde, ist das bei einer Filmdatei meist nicht der Fall.

Das Gutachten enthielt keine Aussage zur Anzahl der Tests. Auch wurde der gesamte Begutachtungsvorgang nicht detailliert und nachvollziehbar dargestellt.

Damit kommt der Frage möglicher Falschermittlungen eine besondere Bedeutung zu, d.h. es sind Untersuchungen und Angaben zu möglichen Fehlerquoten erforderlich (vgl. OLG Köln, 6 W 5/11).

Diese Aussagen fehlen allerdings nicht nur in diesem Gutachten, sondern auch in einigen anderen Gutachten in Filesharing-Verfahren. Obwohl auch da die Testumgebung nicht für eine aussagekräftige Begutachtung geeignet war, sind die Gerichte von einer korrekten Datenermittlung ausgegangen ….

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